Heinz Lustig erklärt (4/4): SEO-Praxisbeispiel

Nach SEO-Grundlagen, einer Übersicht zu Analyse-Tools und den vier Phasen der Keywordnutzung macht sich Experte Heinz Lustig im vierten Teil dieser Interview-Reihe an ein praktisches Shop-Beispiel. Im Fokus steht die Frage, wie Suchmaschinenoptimierung dabei helfen kann, potentielle Interessenten anzuziehen, Besucher zufrieden zu machen und Kunden wiederkommen zu lassen.

Nehmen wir mal ein Beispiel: Ich möchte einen Shop für Waschnüsse eröffnen. Was sind ganz konkret die ersten Schritte in Sachen SEO?

Zuerst untersuche man mit dem Google Keyword Planner und keywordtool.io, mit welchen Suchbegriffen der Shop gefunden werden soll. Diese Keywords sollten idealerweise so ausgewählt werden, dass unterschiedlichen Absichten des Nutzers abgedeckt werden: Denn er will möglicherweise nicht nur kaufen, sondern sich auch informieren, Erfahrungen sammeln oder interessiert sich für ergänzende Produkte. Der Google-Guru Avinash Kaushik definiert diese Absichten als „Sehen“, „Denken“, „Machen“ und „Pflegen“. In diesem konkreten Fall könnte das so aussehen:

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Wenn die Keywords entsprechend recherchiert sind, kann man daraus die Strukturierung der Website ableiten und weiß, welche Art von Inhalten wo platziert werden sollte.

Wie lässt sich das in konkrete Arbeitsschritte übersetzen?

In unserem Fall könnte die Struktur mit beispielhaften Keywords folgendermaßen aussehen:

Sehen auf der Startseite: Das generische Keyword: „Waschnüsse“ gehört

  • in die Hauptüberschrift der Seite (sog. Meta-Title)
  • in die Beschreibung (sog. Meta-Description)
  • in die Überschriften (sog. H1, H2-Überschriften etc.)
  • in die Dateibenennung von Bildern
  • in eine gut strukturierte, generelle Einleitung zum Thema

Denken auf der Kategorieseite: Das Keyword: „Erfahrungen zu Waschnüssen“ gehört

  • in den Meta-Title
  • in die Meta-Description
  • in die Überschriften
  • in die Dateibenennung von Bildern
  • in einen gut strukturierten Text mit Waschnüsse-Studien/Erfahrungen/Kritik

Machen auf der Produktdetailseite: Das sehr spezifische Keyword: „Waschnuss-Schalen 1 kg. GHZ 102268-01 kaufen“ gehört:

  • in den Meta-Title
  • in die Meta-Description
  • in die Überschriften
  • in die Dateibenennung von Bildern
  • in einen gut strukturierten Text zur Produktvorstellung

Pflegen auf der Blog: Das Keyword: „Waschnüsse Rezepte“ gehört

  • in den Meta-Title
  • in die Meta-Description
  • in die Überschriften
  • in die Dateibenennung von Bildern
  • in einen gut strukturierten Text mit Rezepten

Ganz wichtig: Bei allem wird das Keyword in logischen Zusammenhängen verwendet, so dass es den Lesefluss des Nutzers nicht stört oder ihm das Keyword unnatürlich vorkommt. Sätze wie „In diesem Online-Shop kann man die besten Waschnüsse kaufen und online günstige Waschnuss shoppen“ kommen also nicht vor.

Und was kann man tun, wenn ein Shop schon läuft?

Wenn eine oder mehrere der oben beschriebenen Kaushik-Phasen im Shop noch nicht abgedeckt werden, können nach der Analyse zuerst die entsprechenden, fehlenden Inhalte generiert werden. Wenn die Keywords und die Struktur optimiert sind, lässt sich über Google Analytics oder das ITB Tool von Rakuten etwa prüfen, ob die eigenen Erwartungen erfüllt werden. Dabei stellt man möglicherweise fest, dass gewisse Ziele nicht erfüllt werden – zum Beispiel kommen zwar mehr Besucher auf den Shop, kaufen aber trotzdem nichts.

Was wäre dann der nächste Schritt?

Dann geht es um die Klärung der Frage, warum das so ist: Passt der Text zum Bild? Werden Versprechen, die auf der Seite oder an anderer Stelle gegeben werden, auch gehalten? Findet der Kunde sich zurecht? Wenn dies nicht der Fall ist, muss die Site modelliert werden: Dazu gehören erweitern und/oder verkürzen, zur Textaussage passende Bilder und ein insgesamt stimmig durchgeführtes Shop-Konzept.

Stellen Sie sich vor, Ihr Shop wäre aus Knetmasse: Am Anfang haben Sie einen dicken Klops Knete und je besser Sie Ihre Daten und Ziele analysieren, desto genauer können Sie die Knete modellieren. Und zwar genau zu dem, was Ihre Kunden sich wünschen – so erreichen Sie am Ende Ihr Ziel.

Wollen Kunden denn das, was ich denke, was sie wollen?

Das ist eben die Frage! Das modellierte Ergebnis kann dabei ganz anders aussehen als Sie es sich selbst vorgestellt hätten: Möglicherweise kann es zum Beispiel besser funktionieren, ein Waschnuss-Pulverprodukt aus einem Empfehlungstext heraus zu verlinken, statt es auf der Startseite zu positionieren. Oder um es mit Kaushik zu sagen: Vielleicht funktionieren „Denken“ und „Machen“ besser in Kombination – und noch besser, wenn das „Sehen“ auch noch unmittelbar dazu kommt.

Modellieren Sie Ihre Seiten und prüfen Sie mit Hilfe Ihrer Tools, was besser funktioniert:

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Generell können Sie die Qualität Ihres Shops fortlaufend verbessern, indem Sie:

  • Produktbilder retuschieren und verbessern
  • Produktbeschreibungen konkretisieren
  • Über PR-Maßnahmen Aufmerksamkeit und Links generieren

Wenn Sie sehen, dass Nutzer auf Ihrer Seite wenig Zeit verbringen, könnten Produktdetailvideos die Verweildauer eventuell erhöhen. Testen Sie es bei einer Seite aus, und wenn sich das lohnt, machen Sie es überall, wo es passend ist. Wenn Sie die Videoinhalte gestalten, sollten Sie sich wieder an den vier Phasen Sehen-Denken-Machen-Pflegen orientieren.

Das war’s?

Na ja… SEO ist ja grundsätzlich ein fortlaufender Prozess. „Fertig“ ist man also nie, es geht ja auch darum, immer wieder neuen, guten Content zu ergänzen. Zusätzlich zu den SEO-Maßnahmen empfiehlt sich außerdem auch gezieltes Marketing wie zum Beispiel Newsletter, um die Aufmerksamkeit der Kunden wachzuhalten.

Vielen Dank! Und Marketing ist definitiv ein Thema für eine weitere Interviewreihe.